Die Vernetzungsmethode (auch Cornea-Cross-Linking, Kollagenvernetzung, Hornhautvernetzung genannt) ist ein seit ca. 1997 von der Universitätsaugenklinik Dresden beforschter, viel versprechender Behandlungsansatz für Menschen mit Keratokonus (KK). Wie in den Dresdner Studien gezeigt wurde, lassen sich durch diese Behandlung zusätzliche Kollagenfasern in der Hornhaut (HH) erzeugen, die HH wird gefestigt und das Fortschreiten des KK soll somit gestoppt werden (http://augen.uniklinikum-dresden.de).
Langzeiterfahrungen (mind. 15 Jahre) gibt es zu dieser Methode noch nicht. In den ersten vier Jahren wurden auch nur vereinzelnd Hornhäute "vernetzt" (von 1998 bis 2001 nur 20 Augen - also etwas mehr als 10 Personen), so dass man eigentlich nur von 5 Jahren "richtigen" Erfahrungen sprechen kann (von 2002 bis 2005 etwa 120 Augen, also etwas mehr als 60 Personen). Das durchschnittliche Alter der Personen lag bei 30 Jahren +/- 10 Jahre (von 13 - 58 Jahre).
Zahlen aus dem Jahr 2006 liegen uns als Veröffentlichung nicht vor. In den Jahren 2006/07 gab es aber einen sprunghaften Anstieg in der Anwendung der Vernetzungsmethode in vielen Städten Deutschlands.
In diesem relativ kurzen Beobachtungszeitraum hat sich das Hornhautwachstum der untersuchten Personen kaum verändert.
In den vorliegenden Studien konnte gezeigt werden, dass es keine anhaltenden Nebenwirkungen gab. Lediglich in den ersten 2-3 Monaten nach der Behandlung war eine oberflächliche HH-Trübung und in wenigen Fällen eine erhöhte Empfindlichkeit und Trockenheit vorhanden. Die zarte Trübung heilt in der Regel ohne Therapie ab. Als Heilunterstützung werden Salben verschrieben. In dieser ersten Zeit kann das Kontaktlinsentragen eingeschränkt sein (bis zu 6 Monaten).
Die Behandlung ist relativ einfach und verursacht nur geringe Kosten (z.Zt. ca. 500 Euro pro Auge):
Zuerst wird das HH-Epithel (die oberste Schicht der HH) in örtlicher Betäubung in einem 9 mm-Durchmesser abgetragen, danach werden Riboflavin-Tropfen (Vitamin B) auf das Auge getropft und anschließend 30 Minuten mit einem 8 mm-Durchmesser-UV-Licht-Kegel (365 nm) bestrahlt.
Um diese Behandlung durchführen zu lassen, ist es notwendig, zwei Wochen zuvor keine Kontaktlinsen zu tragen.
Die Kosten für diese Behandlung werden nur in begründeten Einzelfällen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Kostenübernahmegenehmigungen für neue Behandlungen oder Medikamente dauern heutzutage (bei den allseits leeren Kassen) sehr lange. Bei einigen Patienten haben einige Krankenkassen die Kosten allerdings als Ausnahmeentscheidung getragen (Quelle: Internet Betroffenen-Forum der KK-Selbsthilfeseite www.forum.keratokonus.de).
Man geht derzeit davon aus, dass der Effekt der Hornhautstabilisierung wahrscheinlich 10 Jahre anhält. Sollte der Effekt nachlassen, könnte die Behandlung (nach derzeitigem Wissenstand) erneut vorgenommen werden.
Da sich die HH und damit die Stärken durch diese Behandlung (zum Positiven) verändern können, ist manchmal nach der Behandlung eine erneute Kontaktlinsenanpassung notwendig.
Nachdem im Dezember 2005 der 1. Kongress zur Vernetzungsmethode in Zürich stattfand, verbreitet sich die Methode schnell immer weiter. Man kam dort zu dem Schluss, dass diese Behandlung effektiv, mit geringen Nebenwirkungen ist. Mittlerweile haben mehrere Augenkliniken die Vernetzungsmethode in ihr Behandlungsspektrum aufgenommen.
Vor allem für Menschen, deren KK noch nicht weit fortgeschritten ist (die also noch mit Brillengläsern zu korrigieren sind), oder deren KK sich sehr schnell zum Negativen verändert, scheint diese Behandlung sinnvoll zu sein (auch um eine eventuelle Transplantation zu vermeiden).
Ob sich die momentane Begeisterung für diese Behandlung und die hohen Erwartungen der Betroffenen und der Fachleute erfüllen, wird erst die Zukunft (Langzeiterfahrungen und Vergleichsstudien mit Kontrollgruppen) zeigen können. |